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MI's Beobachtungen    


2016 62016 8   Juli 2016  
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Eintrag von mi am 7.7.2016

Erwartung und Enttäuschung


Im Laufe des Lebens summieren sich Erfahrungen. Daraus entstehen Einschätzungen von und Erwartungen an Situationen und an menschliche Reaktionen. Bewahrheiten sich meine Erwartungen, dann ist "alles im Lot". Es gibt keinen Grund, weiter über über die Situation - oder mich - nachzudenken, es lief ja alles erwartungsgemäß. Bewahrheitet sich die Erwartung dagegen nicht, erlebe ich also eine (positive oder negative) Überraschung, dann ist das erst einmal komisch und ich frage mich nach dem Hintergrund. Denn natürlich werde ich nicht gerne enttäuscht. Und wenn ich doch enttäuscht werde, dann wüsste ich schon gerne, wieso.

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Ohne unnötig konkret zu werden - Details sind zum weiteren Verständnis nicht nötig - habe ich einem Menschen, dem ich mich verbunden fühle, per Email über ein geplantes Engagement von mir informiert, die diesen Menschen indirekt auch betrifft, positiv wie ich annahm, und ich war mir recht sicher, dazu eine positive Rückmeldung zu erhalten. Eine kleine Restwahrscheinlichkeit sah ich darin, dass meine Planung oder Bereitschaft nicht auf Gegenliebe stoßen kann, was dann aber Gründe hätte, die nicht in meinem Wirkungskreis liegen.

Was dann aber kam, damit hatte ich nun gar nicht gerechnet: Es kam nämlich gar nichts. Keine Antwort, keine Reaktion, kein "Das finde ich toll" oder "Na ja, bist du dir sicher?". Gestern Abend erst im öffentlichen Raum nur eine flüchtige Bemerkung, ein flüchtiger Blick, den ich sicherlich positiv verstehen konnte, mehr aber auch da nicht. Ich war daher dann doch etwas konsterniert, um nicht zu sagen: enttäuscht.

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Was ist da passiert? Habe ich mich in dem Menschen verschätzt? Oder mich darin verschätzt, wie dieser Mensch mich sieht? Ist da vielleicht gar nicht so viel Verbundenheit, wie ich es dachte? Habe ich - mal wieder - ein Gedankenschloss gebaut und vor lauter Freude am Bauen gar nicht gemerkt, dass das völlig an der Realität vorbei geht?

Ich erlebe solche Momente immer mal wieder. Eigentlich bin ich mir so sicher in dem oder jenem Menschen, und darin, wie er oder sie mich sieht und wahrnimmt. Und dann kommen diese Situationen, die an der untersten Karte meines Gedankenkartenhauses rütteln und sie rausziehen: Ups, irgendwie vertan, irgendwie die Situation falsch eingeschätzt, möglicherweise sogar komplett falsch.

Was dann passiert ist, dass ich auf mich selbst zurück geworfen werde. Es ist jetzt sehr wichtig, dass ich bei einer Enttäuschung diese nicht auf den anderen projiziere oder ihm oder ihr innerlich oder gar äußerlich den Vorwurf mache, meine Erwartungen nicht erfüllt zu haben. Erwartungen und Enttäuschungen sind ganz allein meine Angelegenheit. Das Leben will mir damit etwas mitteilen. Der andere Mensch ist lediglich der Überbringer der Botschaft, für den Inhalt kann er nichts.

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Wie reagiere ich am besten auf eine Enttäuschung? Im Grunde fange ich erst einmal damit an, mich zu sortieren. Wo stehe ich, wer bin ich, warum tue ich, was ich tue? Welches Ziel hatte ich verfolgt? Ist meine Aktivität wirklich etwas, das ich tue, weil ich es aus tiefstem Innern heraus tun möchte, oder will ich damit nur anderen gefallen, mich produzieren, in den Vordergrund spielen?

Sollte eine der letzten Punkte hinter dem "oder" zutreffen, dann kann eine Enttäuschung gar nicht früh genug eintreten. Sie sorgt dafür, dass alles Falsche abfällt - die Täuschung ist schließlich vorbei - und nur der Kern übrig bleibt. Ich weiß dann genau, ob ich noch mit mir im Einklang bin, oder ob ich mich schon so weit von mir entfernt habe, dass mir die Meinungen und auch Zuneigungen anderer wichtiger sind, als die meine.

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Nun hat sich also durch meine Erwartungshaltung offenbart, dass ein wenn auch kleiner Aspekt meines geplanten Engagements durchaus der war, dass ich damit einem Menschen ein wenig gefallen wollte. Das ist an sich nichts Schlimmes, es ist menschlich. Es sind dadurch allerdings Erwartungen an einen Menschen entstanden, die von der Sache wegführten und die enttäuscht werden mussten, und das ist gut so.

Jetzt ist das Falsche weg, und am Ende - ist die Enttäuschung erst mal verdaut - ist es sogar befreiend.


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