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MI's Beobachtungen    


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Eintrag von mi am 1.11.2016

Einladung zum Klavierabend


Am Wochenende erwartet mich eine Besonderheit: Ein Arbeitskollege und ich haben schon vor längerer Zeit eine gemeinsame Zuneigung zum Klavier entdeckt. Er nimmt sogar mittlerweile wieder Unterricht, während ich mir die Stücke, die mir gefallen und die ich mir zutraue, im Selbststudium aneigne.

Bereits vor einiger Zeit hat er angekündigt, im November einen kleinen Klavierabend veranstalten zu wollen. Anlass ist, dass er ein neues Klavier der Marke "Schimmel" bekommen bzw. sich geleistet hat. Es muss wirklich sehr schön klingen. Der Abend ist so geplant, dass wir eine gemütliche Runde machen und jeder, der mag, auf dem Klavier etwas vorträgt. Ganz wichtig war ihm dabei, dass es entspannt zugeht.

Entspannt, das kann ich nur unterstreichen, Wettbewerb und Rattenrennen gibt es zu Genüge. Dennoch erwuchs durch die Ankündigung in mir ein Spannungsfeld. Einerseits soll (soll!...) es entspannt zugehen und jeder, der es mag (mag!...), kann was zum Besten geben. Andererseits, wenn ich mich dazu entscheide, an diesem Abend etwas vorzutragen, dann merke ich sofort meinen Anspruch, dass ich nicht brav ein Notenblatt aufschlagen und artig die Noten runterspielen möchte. Sondern wenn, dann möchte ich ein Stück zumindest nicht ohne Anspruch und außerdem auswendig spielen. Ohne diese Herausforderung würde ich mich nicht wohl fühlen, ich habe dann das Gefühl, dass ich es auch lassen kann.

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Ausgesucht habe ich drei Lieder von Schubert: 1. Das Heidenröslein 2. Gretchen am Spinnrade 3. Die Forelle. Das sind wunderschöne Stücke, der Schwierigkeitsgrad entspricht dem, was ich zu spielen in der Lage bin. Hauptstück ist dabei das Gretchen, das mich technisch eine ganze Weile beschäftigt hat. Ich habe diese Stücke schon vor einiger Zeit eingeübt, aber niemals zur Vorführreife gebracht (ich war weit davon entfernt). Die Gelegenheit des Klavierabends habe ich nun zum Anlass genommen,die Stücke so einzustudieren, dass sie schön sind und ich sie mit einem guten Gefühl vortragen kann.

An den Stücken übe ich mittlerweile seit drei Monaten an meinem silent piano (sehr zum Wohle der Famile). Obwohl ich schon vor längerer Zeit dachte, dass sie nun allmählich in Richtung Endversion gehen würden, ist es erstaunlich, wie solche Stücke reifen, wenn ich sie wieder und wieder spiele und systematisch die Schwachstellen angehe. Und oft blicke ich zurück und frage mich, wie ich noch vor Zeiten denken konnte, schon nahe der Endfassung zu sein.

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Schwachstellen, also diese Stellen, über die man gerne schnell hinwegspielt, weil sie nicht so richtig klappen wollen, bei denen man das Gefühl hat, sie gar nicht hinbekommen zu können, egal, wieviel man übt. Aber das stimmt so nicht. Ich las einmal: "Ein Klavierstück ist entweder einfach oder unmöglich". Und genauso ist es auch. Schwachstellen lassen sich so lange üben, bis sie keine mehr sind, und dann sind sie genauso einfach, wie die anderen Stellen.

Auf diese Weise läßt sich auch ein schwieriges Stück systematisch soweit bringen, dass es nicht mehr schwierig ist, sondern einfach. Es IST vielleicht in diesem Sinne nicht einfach, es scheint aber einfach zu sein und es spielt sich einfach. Und dann erst ist es auch schön anzuhören. Interessanterweise bemerkt das auch das ungeübte Ohr.

Ich glaube, dass ich mit meinen drei Stücken mittlerweile soweit bin, sie bereiten mir keine großen Schwierigkeiten mehr. Meine übliche Nervosität wird mich vermutlich dennoch begleiten. Sie kann mir trotz aller Sicherheit immer noch Streiche spielen, plötzlich weiß ich dann nicht mehr, wo ich bin und was ich da mache. Was mir dann durch den Kopf schießt: "Sofort mit dem Denken aufhören!".

Ich freue mich darauf.



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damian
Guten Morgen, Digis, ich möchte Euch auf...

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mi
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